Hallo zusammen,
hier sind ja einige Menschen unterwegs, die mehr oder weniger regelmäßig Vogelspinnen züchten.
Ich hatte eigentlich nicht vor, meine Spinnen zu verpaaren, allerdings haben sich in letzter Zeit einige meiner Tiere als adulte Männchen herausgestellt. Zwei habe ich zur Verpaarung verschenkt, die Person hat kurz darauf das Hobby aufgegeben und ich bin mir nicht sicher, was aus den verpaarten Weibchen (und meinen Männchen) wurde. Zwei weitere sind verstorben und zwei, eine Caribena versicolor und eine Avicularia "geroldi" sind noch übrig - Sind wohl gerade nicht so gefragt. Ihre Reifehäutung hatten sie im Januar, so langsam sind sie leider auch zu alt, als dass sie noch jemand übernehmen würde ![]()
Für die Avicularia geroldi kann ich nichts weiter tun, wenn sie niemand haben möchte (außer sie ggf. auf der Börse im September zu verschenken, falls sie dann noch lebt), die Caribena hingegen könnte ich prinzipiell mit meinem Weibchen verpaaren. Sie hat sich vermutlich zwischen März-Juni gehäutet (kam Mitte Juni wieder aus ihrer Röhre heraus) und wird gerade fleißig gefüttert.
Gut geplant und überlegt wäre aber anders. Ich habe keine Vorstellung davon, wie hoch der Zeit- und Materialaufwand und die Kosten sind, was vorzubereiten wäre und worauf ich achten müsste, falls die Spinne wirklich einen Kokon bauen sollte und der dann auch noch was wird.
Im Artenteil finden sich ja bereits viele Informationen (Verpaarung, Zeitigungsdauer des Kokons, Aufzucht, etc.), aber meine Fragen setzen vorher an:
1. Wie viele Dosen brauche ich zur Unterbringung? Laut Artenteil kann ich mit 80-150 Jungtieren rechnen, also bräuchte ich mindestens 150 Aufzuchtdosen, um für alle Fälle gewappnet zu sein
Oder kann man die Jungtiere noch eine Weile zusammen halten (wo? Braplast? Und bis zu welchem Zeitpunkt?), in Ruhe zählen und dann erst Dosen bestellen/vorbereiten?
2. Welche Dosen? Wenn ich einen Teil der Tiere direkt in N1 abgebe, bieten sich wohl günstige Filmdosen an, aber wie lange kann eine kleine Caribena darin leben? Ist es sinnvoll, für einen Teil der Tiere bereits etwas größere Dosen (mit Seramis, Kunstpflanze/Stecken etc) vorzubereiten, damit sie ggf. ein paar Häutungen darin verbringen können, ehe ich sie abgebe?
3. Kokon herausnehmen (wann? bzw. woran erkenne ich, dass er reif ist) oder im Terrarium belassen? Wo müsste ich das Terrarium abdichten, wenn ich sie im Terrarium schlüpfen lasse? Nur an der Falltür oder auch das Lochblech? Und sollte ich vorher Bewuchs/Äste entfernen? Das Weibchen lebt zwischen zwei senkrecht stehenden Rindenstücken, da sind einige Verstecke, die ich nicht öffnen kann, ohne ihr Netz zu zerstören. Bei der Entnahme des Kokons würde ich aber auch einiges zerstören...
4. Wohin mit den Spiderlingen? Caribena versicolor wird ja doch recht häufig angeboten. Ich könnte sie im März mit nach Hamm nehmen oder ggf. versenden, das geht aber nur bei entsprechenden Temperaturen. Am liebsten würde ich einen großen Teil auf einmal abgeben - Aber nehmen Händler überhaupt so verbreitete Arten wie Caribena versicolor? Oder bleibt man auf ihnen sitzen? Wahrscheinlich wird es eine ganze Weile dauern, bis die Tiere ausgezogen sind. Damit wären wir auch schon bei
5. Aufwand. Gut, solange das Weibchen den Kokon hat, ist es ja vermutlich noch entspannt. Aber spätestens das Rausfangen der Spiderlinge wird einiges an Zeit verschlingen. Sind das erfahrungsgemäß Stunden oder mehrere Tage? Ist es planbar? Oder muss man das machen, sobald sie ausschwärmen?
Hängt jetzt ein bisschen mit 1. zusammen, aber müssen sie dann auch direkt vereinzelt und von da an regelmäßig gefüttert werden? 150 Dosen täglich bewässern und Mikroheimchen/Fruchtfliegen einfüllen verschlingt vermutlich einiges an Zeit.
6. Kosten. Als (noch) Studentin habe ich aktuell relativ viel Zeit (wobei sich das bis zum Schlupf ändern kann - evtl. arbeite ich dann auch), aber Geld sitzt nicht so locker. Ist es üblich, zumindest mit einer Nullrechnung bzw. einem nicht zu großen Minus aus der Sache herauszugehen?
Ich kenne nur die Einzelpreise für Caribena versicolor (~5-7€), nicht die Bulk-Preise (wahrscheinlich eher so 1€/Sling?) - Bei günstigen Aufzuchtdosen würde es ja reichen, 6-10 Einzeltiere zu verkaufen, um zumindest den Aufzuchtdosenkauf (30-70€?) wieder auszugleichen, aber wenn da noch Ausgaben dazu kommen, die ich nicht bedacht habe, könnte das ggf. knapp werden?
7. Ist das überhaupt eine gute Idee? Caribena versicolor ist ja sehr verbreitet und wird oft nachgezogen. Ich hatte trotzdem den Eindruck, dass sie weiterhin gesucht werden, anders als Lasiodora spp. Und es sind einfach richtig tolle Spinnen. Das heißt ja aber nicht, dass unbedingt "nachproduziert" werden muss. Schon gar nicht von Menschen, die davon (noch) keine Ahnung haben...
Meine Nachzuchterfahrungen beschränken sich bisher auf Phasmiden (Cryptophyllium oyae, wobei die diesjährige Nachzucht nicht so gut läuft, Extatosoma tiaratum und Lamponius guerini), und selbst 48 wandelnde Blätter sind wahrscheinlich nichts im Vergleich zu 150 Spiderlingen. Sie kommen fertig aus dem Ei, sind langsame, springen nicht, müssen nur täglich kurz besprüht werden und essen direkt frische Blätter. Und sie müssen auch nicht vereinzelt werden. Höchstens die Abdichtung des Terrariums wäre vergleichbar.
Vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen. Oder möchte jemand zufällig ein altes, kleines Caribena versicolor Männchen oder eine Avicularia geroldi? Sie sind allerdings beide recht dünn, fressen nicht mehr und ich habe Sorge, dass sie den Versand nicht mehr überstehen...
Liebe Grüße,
Jessica