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Geschlechtsbestimmung

  • Irene Kirbs
  • 23. August 2023 um 13:27
  • Irene Kirbs
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    • 23. August 2023 um 13:27
    • #1

    Hallo Leute

    Gestern hat sich eine der noch verbliebenen Tliltocatl albopilosus Nachzuchten gehäutet. Ich habe schon mehrfach versucht, ihr Geschlecht zu bestimmen. Bisher erfolglos. Sie hat als einziges von 120! Tieren zwar eine Spermathek aber keinen Uterus externus. Die Spermathek ist recht gut zu erkennen, aber keinerlei „Lappen“, der ein Uterus sein könnte. Was hab ich da?

    Ich hatte mal vor Jahren einen ähnlichen Fall bei einer Vagans (damals noch Brachypelma), das war dann ein Männchen. Trotz deutlicher Spermathek.

    Kennt ihr das auch?

    An Wolfram: Den geb ich dir nicht. Wird womöglich ein Männchen :grins:!

    Viele Grüße

    Irene

  • Steffen
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    • 23. August 2023 um 16:38
    • #2
    Zitat von Irene Kirbs

    ..., das war dann ein Männchen. Trotz deutlicher Spermathek.

    Nein, es war immer ein Männchen weil es keine Spermethek war!

    Die vermeinlichen Spermatheken werden auch als "accessory organs" bezeichnet. Genauere Funktion und Wirkunsweise sind wohl noch nicht geklärt.

    Bei manchen Gattungen sind diese "Hilfsorgane" der Männchen sehr deutlich ausgeprägt und werden immer wieder für Spermatheken gehalten.

    Im Gegensatz zu Weibchen ist aber die Geschlechtsöffnung / Gonopore nur sehr klein , knopfartig und zwischen den "Hilfsorganen" gelegen, und ganz wichtig der Uterus externus fehlt.

    Bei Weichen ist die Geschlechtsöffnung deutlich breiter, i.d.R. so breit wie die Basis der Spermathek bzw. wie der Uterus.


    So kann man z.B. auch Weibchen von E. ollivacea, die keine Spermathek haben, trotzdem sicher anhand des Uterus externus bestimmen.

    Es gab schon vor jahre einen sehr gut bebilderten Artikel im BTS Journal dazu:

    Sainsbury, C. 2006. A little help with sexing. Journal of the British Tarantula Society, 22 (1): 11–15.

  • Irene Kirbs
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    • 23. August 2023 um 17:03
    • #3

    Hallo Steffen

    Du hast absolut recht. Er hat sich gerade gezeigt. Es war die Reifehäutung eines Männchens.

    Erstaunlich ist nur:

    Keines der anderen Männchen hatte diese Organe. Er war der Einzige von etwa 60 Männchen, die ich bestimmt habe. Gattungsspezifisch für Tliltocatl albopilosus ist es wohl eher nicht.

    Vielen Dank für die Info

    Irene

  • Steffen
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    • 26. August 2023 um 14:28
    • #4
    Zitat von Irene Kirbs

    Erstaunlich ist nur:

    Keines der anderen Männchen hatte diese Organe. Er war der Einzige von etwa 60 Männchen, die ich bestimmt habe.

    Kommt eben auch immer etwas darauf an, wie groß die Tiere schon sind.
    Dieses Männchen scheint ja doch schon etwas größer gewesen zu sein, da es ja auch seine Reifehäutung war.

    Zitat von Irene Kirbs

    Gattungsspezifisch für Tliltocatl albopilosus ist es wohl eher nicht.

    Ein anderes Beispiel aus der selben Gattung.

  • Irene Kirbs
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    • 26. August 2023 um 16:11
    • #5

    Hallo Steffen

    Kann natürlich sein, dass es am Alter lag. Bei jüngeren Männchen war kein Ansatz für diese Organe zu sehen,

    Das Vagans Männchen dagegen hatte sie schon sehr früh.

    Zumindest weiß ich jetzt, was davon zu halten ist. Vielen Dank dafür.

    LG, Irene

  • Marc Schuermann
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    • 22. November 2023 um 21:26
    • #6

    Hey

    Ich habe eine Aphonopelma seemanni aufgenommen, ist ein Männchen oder?

    Mache sonst nur genaue Bestimmung bei der Exuvie..

  • Jessica A.
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    • 23. Juli 2026 um 19:57
    • #7

    Ich hole das mal wieder hoch, weil sich meine Vitalius chromatus überraschend als Männchen entpuppt hat.

    Weil ich jetzt schon drei Mal in Folge Adulthäutungen von Männchen übersehen habe, gucke ich jetzt bei allen Häutungen genauer hin - Und entdeckte dadurch Bulben bei meiner Vitalius chromatus.

    Wie bei den Männchen zuvor kam sie mir reichlich klein vor für ein adultes Männchen - Dazu kommt, dass ich sie eigentlich für ein Weibchen gehalten hatte. Gut, der "Lappen" war schwer erkennbar und klein, aber es war ja auch noch ein kleines Tier (~2,5cm bei der Häutung auf dem Foto). Auf den Fotos ist es schlecht erkennbar (ich hatte nur das Handy aufs Bino gehalten), aber für mich sahen diese Tentakel aus wie eine Spermathek.

    Sind das in Wirklichkeit nur Hilfsorgane gewesen? Jetzt hinterfrage ich nicht nur meine Fähigkeit, adulte Männchen rechtzeitig zu erkennen, sondern auch meine Geschlechtsbestimmungsfähigkeiten am Bino... Andere Häute des Männchen habe ich leider nicht, er hat sie konsequent zerfetzt, bis auf die auf dem Foto (danach war er subadult) und die Adulthäutung, die ich aber leider nicht mehr finden kann. Wahrscheinlich entsorgt...

    Das Männchen ist leider schon verstorben. Nach der Häutung im Mai lebte es einen Monat versteckt, Ende Juni kam es heraus, wurde von mir als Männchen erkannt, trommelte ein paar Wochen fröhlich und nahm noch zwei Grillen, ehe es vor zwei Tagen plötzlich tot im Terrarium lag :(

    Liebe Grüße!

  • Jessica A.
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    • 23. Juli 2026 um 20:25
    • #8

    Kaum habe ich den Beitrag abgesendet, sehe ich die verlorene Haut in einem leeren Terrarium liegen.

    Die Handyfotos sind nicht gut, aber die kleinen Tentakel dürften erkennbar sein:

    Eigentlich hätte ich die Falte darunter als Uterus externus interpretiert und wäre auch bei dieser offensichtlichen Adulthäutung eines Männchens von einem Weibchen ausgegangen, wenn ich die Bulben und Schienbeinhaken nicht gesehen hätte... Gut, dass ich das Tier nicht mit zur Börse genommen habe.

    Wie häufig kommt das vor? So lange ich das nicht richtig unterscheiden kann, werde ich wohl kein Tier als sicher bestimmt abgeben können.

    Ich schaue mir die Erklärung von Steffen nochmal an meiner Haut an, sobald sie getrocknet ist. Aktuell kann ich die Geschlechtsöffnung nicht erkennen, nicht mal als Punkt.


    Ich habe nur leider kein Weibchen derselben Art zum Vergleich, nur zwei Avicularia sp.:

    Avicularia avicularia

    Und Avicularia juruensis

    Bei der Avicularia avicularia erkenne ich sehr deutlich einen Lappen, bei der Avicularia juruensis ist die Perspektive wahrscheinlich ungünstig? Oder ist dort überhaupt nichts erkennbar und ich habe doch ein Männchen hier sitzen?

  • Wolfram Newald
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    • 23. Juli 2026 um 20:32
    • #9

    Servus,

    dieser Artikel könnte eventuell helfen.

    World Spider Catalog

    MfG,

    Wolfram

  • Jessica A.
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    • 23. Juli 2026 um 21:11
    • #10

    Hallo Wolfram,

    danke für den Link! Das müsste der Artikel sein, den Steffen auch genannt hatte, oder? Den hatte ich auf die Schnelle nicht gefunden.

    Dank WSC-Account konnte ich ihn direkt herunterladen und anschauen. Ist wirklich gut bebildert. Wenn ich es richtig sehe, habe ich mich bisher zu sehr auf die Spermathek fixiert (und die auch noch auf die kleinen Tentakel reduziert), statt nach der unteren Lippe zu schauen. So ohne Weibchen zum Vergleich zwar schwieriger, aber auf dem Foto im Vitalius chromatus (ex. Nhandu chromatus) Artikel ist die deutlich zu erkennen, während bei meiner Haut unterhalb wirklich gar nichts zu erkennen ist.

    Liebe Grüße!

  • Wolfram Newald
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    • 23. Juli 2026 um 21:26
    • #11

    Servus Jessica,

    Zitat von Jessica A.

    Wenn ich es richtig sehe, habe ich mich bisher zu sehr auf die Spermathek fixiert

    genau, ich hab das auch erst recht spät gelernt, aber wenn man die Geschlechtsbestimmungen ohne Mikroskop durchführt sind die männlichen Anhangsdrüßen nicht wirklich relevant weil man sie eh nicht sehen kann.

    Außerdem besitzen ja nicht alle Arten diese Drüßen.

    Zitat von Jessica A.

    Das müsste der Artikel sein, den Steffen auch genannt hatte, oder? Den hatte ich auf die Schnelle nicht gefunden.

    Kann sein, aber ich bin sicher Steffen kennt viele weitere gute Quellen zu dem Thema.

    Gern geschehen.

    LG,

    Wolfram

  • Jessica A.
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    • 24. Juli 2026 um 11:34
    • #12

    Hallo Wolfram,

    Zitat von Wolfram Newald

    wenn man die Geschlechtsbestimmungen ohne Mikroskop durchführt sind die männlichen Anhangsdrüßen nicht wirklich relevant weil man sie eh nicht sehen kann.

    Stimmt, ohne Mikroskop ist es (sobald erkennbar) dann wirklich eindeutig und nicht so verwirrend wie wenn man alles ganz genau sehen kann. Das Mikroskop ist wohl Fluch und Segen zugleich.

    Jetzt bin ich natürlich neugierig und schaue mir grundsätzlich alle Häute unterm Mikroskop an - von dem winzigen N2-Fussel bis hin zur bereits sicher als Weibchen bestimmten 3cm großen Spinne. Auch wenn sich oft noch nichts erkennen lässt, möchte ich es einfach so schnell wie möglich wissen (oder zumindest versuchen, es herauszufinden - wer weiß, ob die nächste Haut nicht doch zerfetzt wird...).

    Also werde ich jetzt einiges an Blickschulung betreiben müssen... Schade, dass ich nicht so viele Spinnen habe (und nur wenige Arten doppelt) :P

    Zitat von Wolfram Newald

    Außerdem besitzen ja nicht alle Arten diese Drüßen.

    Und nicht einmal alle Individuen derselben Art, wie Irene ja bereits feststellen konnte... Tja. Wäre ja auch zu einfach gewesen :S

    Liebe Grüße!

  • Steffen
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    • 27. Juli 2026 um 18:19
    • #13
    Zitat

    Aktuell kann ich die Geschlechtsöffnung nicht erkennen, nicht mal als Punkt.

    Immer genau mittig, und immer in der "Falte" (Epigastralfurche / epigastric furrow). Hier genau unter der Blase bzw. Spiegelungen, deshalb schwer zu erkennen. Spülmittel sucks

    Zitat

    ...bei der Avicularia juruensis ist die Perspektive wahrscheinlich ungünstig? Oder ist dort überhaupt nichts erkennbar und ich habe doch ein Männchen hier sitzen?

    Es ist alles da, wo es hingehört. Eindeutig Weibchen.

    Zitat

    Das müsste der Artikel sein, den Steffen auch genannt hatte, oder?

    Nein, ich hatte den von Sainsbury genannt. Der Text ist dort etwas kürzer gehalten und dort wurden Fotos anstelle der Zeichnungen verwendet. Aber inhaltlich sind beide gleich.

    Zitat

    Kann sein, aber ich bin sicher Steffen kennt viele weitere gute Quellen zu dem Thema.

    Nö, das sind die beiden Artikel, welche ich speziell zu diesem Thema kenne.

    Zitat

    Außerdem besitzen ja nicht alle Arten diese Drüßen.

    Sicher? Oder ist es vielleicht nur eine Frage von Größe (bzw. Alter) und Vergrößerung?


    Im Zweifelsfall ohne direkte Vergleichsmöglichkeit, wenn man sich unsicher ist, ob es sich um eine Spermathek oder doch nur um Drüsen handelt, sollte man folgendermaßen vorgehen.

    1) Entspricht das, was wie eine Spermathek aussieht, in Form und Größe den Abbildungen / Beschreibungen der jeweiligen Art oder anderen Arten der Gattung?

    a) Ja > Wir prüfen zur Sicherheit trotzdem immer den Uterus externus, siehe 2).

    b) Nein > Aber das Tier ist noch sehr jung, deshalb prüfen wir den Uterus externus, siehe 2). *A)

    c) Nein > Aber es ist eine E. olivacea oder eine andere Art ohne Spermathek, deshalb prüfen wir den den Uterus externus, siehe 2).

    d) Nein > Aber das Tier sollte aufgrund der Größe eigentlich adult sein. ... Jetzt wird es erst richtig spannend!

    2) Ist ein Uterus externus sicher vorhanden?

    a) Ja > Gratuliere, es ist ein Weibchen.

    b) Nein > Gegenprobe, siehe 3).

    3) Etwas oberhalb der Epigastralfurche befinden sich 2 kleinere rundlich, ovale "Fortsätze" und etwas darunter im Bereich der Epigastralfurche, mittig zwischen den "Fortsätzen" eine kleine, ovale Öffnung, die aber nicht mit den "Fortsätzen" verbunden ist.

    a) Ja, genau das ist zu erkennen. > Gratuliere, es ist ein Männchen.

    b) Nein, davon ist gar nichts zu erkennen. > Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nächste Häutung, nächster Versuch.

    *A) Bei jüngeren Tieren ist die Spermathek meist noch nicht vollständig entwickelt und so ausgeformt wie bei adulten Weibchen. Es kann sogar vorkommen, dass Gattungen / Arten, die eine einteilige Spermathek haben (z.B. Sericoplema, Poecilotheria) , als Jungtiere noch 2 getrennte Receptacula aufweisen.

    Und hier noch ein Vergleich:

    Beitrag

    RE: Thrixopelma spp.

    Thrixopelma sp ex ECUADOR juv. ♀ (1287)



    Steffen
    17. September 2023 um 18:27

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